Hans-Jürgen Klemm: CityLoftArt
Das Design District in Miami ist ein heisses Pflaster. In den zahlreichen Kunstgalerien und Design Showrooms zwischen Little Haiti und Midtown Miami können Besucher eine breite Auswahl an Gemälden, Skulpturen, Installationen, und Inneneinrichtung bewundern. An jedem zweiten Samstag des Monats wird ausserdem die sehr beliebte “Art & Design-Night” organisiert, für die die meisten Galerien ihre Türen von 19:00 – 22:00 Uhr öffnen und Besucher mit Kunst, Musik, und kleinen Snacks und Getränken Willkommen heissen.
Doch auch ein Samstagnachmittag erwies sich als eine gute Wahl für einen Besuch des Districts. Die durstigen Massen, die an besagten Samstagabenden die Galerien auf Suche nach einem Gratis Glas Wein oder Vodka Cranberry durchforsten, waren abwesend. Auch Kunstsammler oder Schaulustige machten sich rar – die Gegend schien auf ersten Blick wie ausgestorben. Nur Miami’s erbarmungslose, immer gegenwärtige Sonnenstrahlen und das ein oder andere Polizeiauto begleitete mich auf meinem Weg durch die heissen Strassen des Viertels. Mein Ziel an diesem Sommerwochenende: die Kunstgalerie von Hans-Jürgen Klemm, ein gebürtiger Deutscher, der hier seit 4 Jahren die City Loft Art (vorher: “European Art Gallery”) leitet. Sehr neugierig war Ich auf die Geschichte dieses Mannes, der sich in Miami’s Kunstgalerienszene etablieren konnte, und inzwischen sogar Gespräche mit der Stadt führt, um ein öffentliches Kunstprojekt zu entwickeln: “The Fountain Park”.
Der Park soll ein Austellungsort für Wasserskulpturen der argentinischen Künstlerin Lily Wicnudel werden – Ihre Kunst stellt Klemm exklusiv in seiner Galerie aus.
Hans-Jürgen begrüsste mich sehr herzlich und nahm sich Zeit, mir den Hintergrund seiner Umsiedlung nach Florida und seinen professionellen Zielen hier näher zu bringen.
Zuvor jedoch erklärte er mir den Ursprung der frischen Narbe über seinem rechten Auge. Die stammte von einem bewaffneten Überfall direkt hinter seiner Galerie durch einen Kriminellen, der in den Back Alleys des Viertels sein Unwesen treibt. Plötzlich wurde mir klar, dass die Polizei mich nicht nur aus Höflichkeit auf meinem Weg begleitete – ein bisschen Wilder Westen steckt eben auch heute noch im Design District.
Die Kunstgalerie – mehr als ein Hobby
Im Jahr 2004 kam Hans-Jürgen nach Miami. Er hatte zu dem Zeitpunkt schon eine internationale Karriere mit Stationen in Europa, Asien, und mittleren Osten hinter sich. Auch hier in Miami öffnete der Geschäftsmann eine Beratungsfirma für seine Europäischen Kunden.
Wie bleibt bei soviel Business noch Zeit für “Fine Art”, die schönen Künste? Daran hängt Hans-Jürgen’s Herz, es ist sein Hobby, seine Lieblingsbeschäftigung. Wie er selbst in seinem Newsletter schreibt: “ART has to be deep emotion, a BEAUTY. […] You need no explanation to understand ART, you just see, feel, receive its signals and ...may be LOVE it.” Kunst ist ein Gefühl, man kann Kunst erfahren, sehen, fühlen, muss es jedoch nicht erklären oder verstehen.
Im Moment inspiriert Hans-Jürgen die Zusammenwirkung von Licht und Farbe, die Kunststücke seiner Galerie spiegeln dies wider durch den Gebrauch von Glas, Akryl, Lack, Emaille, und sogar Wasser. Einige seiner Künstler sind auch aus Deutschland; so etwa der Maler Elmar Hund, den er schon seit Öffnung der Galerie austellt, und Manuel Wassmer, der einzigartige Leuchtobjekte herstellt.
Auf die Frage hin, wie Klemm diese europäischen Künstler im Moment mit dem schwachen Dollar verkaufen kann, antwortet er offen, dass es schwer ist. Denn nicht nur muss der Kaufpreis in Euro bezahlt werden, hinzu kommen ausserdem Versand-und Versicherungskosten – bei sperrigen Kunstobjekten nicht gerade wenig. Auch deswegen die Umbenennung von European Art Gallery zu CityLoftArt, und die Einbeziehung lateinamerikanischer Künstler wie etwa Wicnudel.
Während Klemm dies erzählt, kommen immer wieder einzelne Kunden oder Gruppen in die Galerie und interessieren sich für verschiedenen Objekte. Während meiner Anwesenheit sind die “show stopper”, die Publikumslieblinge, ganz klar, die farbenfrohen Tische von Louis Laprise, Montreal.
Der ein oder andere Kunde fragt nach Preis, andere geloben, mit Ehefrau oder Partner wiederzukommen. Der Kauf eines Kunstobjekts ist für die meisten Kunden anscheinend nicht eine Impulsivtat, sondern eine wohl überlegte Investition. Doch der amerikanische Käufer hat, laut Hans-Jürgen, noch einiges vom erfahrenen europäischen Kollegen zu lernen. Bei dieser Entwicklung ist er gerne behilflich, als Orientierungshilfe aus der alten Welt in einer, für viele Amerikaner, neuen Welt.
Der Weg nach Florida
Oft werde ich hier gefragt: wie geht das? Wie kommen Deutsche nach Florida, arbeiten hier, etablieren ein neues Leben, gründen Firmen, oder – in Hans Jürgen Klemm’s Fall – öffnen Kunstgalerien? Seine Geschichte ist besonders interessant. Nachdem klar war, dass er nach Florida auswandern wollte, öffnete er zunächst ein Konto in Miami. Dies allein war leichter gesagt als getan – die Bank interviewte Ihn gute 4 Stunden um nicht das Risiko einzugehen, Geschäft mit einem Geldwäscher zu machen. Auf diesem Konto deponierte er eine gute Summe. Der nächste Schritt bestand darin, Firmen in USA zu gründen. Hierzu muss man nicht USA-Bürger sein – auch Ausländer dürfen hier Unternehmen gründen (mehr dazu in meinem nächsten Artikel über den Deutschen Firmengründer in Florida Max Karagoz).
Hans-Jürgen gründete gleich zwei. So vorbereitet reiste er zum Visa-Interview in der amerikanischen Botschaft in Frankfurt. Nach etwas Verhandelung mit der verantworlichen Beamtin und der offensichtlichen Erklärung, dass er als Geschäftsmann in USA investieren wolle, erhielt er seinen Pass nach 2 Wochen in der Post – samt 10-Jährigen Visums-Stempel. Ironie des Schicksals: hier in Miami heiratete Hans-Jürgen eine Kubanerin und erhielt so die Green Card. Fairerweise muss bei dieser traumhaften nahtlosen Einwanderungsgeschichte hinzugesagt werden, dass seine Frau, von Beruf Rechtsanwältin, tatkräftig bei der Erstellung der Dokumente mithelfen konnte.
Ein Blick in die Zukunft
Zum Abschied gab mir Hans-Jürgen noch einen edlen Tropfen aus seiner alten Heimat Baden-Baden mit. Ob er Deutschland vermisst? Zu dem Thema hat er eine ganz entschiedene Meinung: er sieht in Europa für sich keine Zukunft. Zu Investitions-unfreundlich ist das Klima, zu aggressiv sind die Steuersätze. Der Unternehmer weiss nach Jahren in Deutschland und Frankreich, wovon er redet.
Sei das Pflaster in Miami noch so heiss, seine Pläne schmiedet er hier: ob neue Künstler für seine Galerie, Arbeit mit seinen europäischen Kunden, ein freundliches Gespräch mit potentiellen Kunden über ein Glas Wein während des Art Walks, oder das “Fountain Park” Projekt – Klemm richtet seinen Blick streng nach vorne. A propos Fountain Park: hierfür sucht er noch Investoren – wenn Sie also zufällig im Besitz von 2 Acker Land, möglichst stadtnah an Miami sind, bitte melden Sie sich doch bei Ihm.

Sollte dies nicht der Fall sein, so sind Sie doch jederzeit willkommen, sich von dem Kunstexperten die Objekte in seiner Galerie jederzeit fachmännisch erklären zu lassen. Ich kann Ihnen die Erfahrung nur wärmstenst empfehlen – und das nicht etwa wegen Miami’s Mittagshitze – sondern weil ein Besuch in seiner Austellung Horizonte öffnet, wie nur gute Kunst das kann. Um es in Hans-Jürgen’s Worten zu sagen: “ART has to be like real LOVE is: immediately, within seconds you are approached by a special artwork, you build up a spontaneous relationship and you want to have it from now on in your most intimate surrounding.
Good ART is a decorative statement and you need no explanation to understand it, you just see and ... LOVE it.”
Kontakt:
Hans-Jürgen Klemm
61 NE 40th Street
Miami, FL 33137
Tel: (305)438-9006
http://www.euartgallerymiami.com/
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